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Sonntag, 18. August 2024

Via Alpina: Hochweisssteinhaus - Porzehütte

Almenweg als Schlechtwettervariante, Blick ins Valle d'Antola


Der Wetterbericht an der Kreidetafel im Hochweisssteinhaus kündigte an, dass den ganzen Tag über Schauer und Gewitter möglich seien. Da es sich bei Etappe R23 der Via Alpina über den Grat zur Porzehütte um eine hochalpine, stellenweise ausgesetzte Tour handelt, wollten wir sie nicht bei Schlechtwetter riskieren. Schade, denn die Strecke gilt eigentlich als anspruchsvoller Höhepunkt des Karnischen Höheweges. Wir entschieden uns deshalb für die sanfte, aber recht lange Variante über den Almenweg (Strada delle Malghe), der südlich der offiziellen Normalroute, grösstenteils auf italienischem Boden, immer entlang der Baumgrenze zum Tilliacher Joch führt.

Verregneter Start beim Hochweisssteinhaus

Aufstieg zum Hochalpljoch

Bei leichtem Regen wanderten wir zuerst steil auf einem schmalen Pfad hinauf zum Hochalpljoch. Danach ging es, den Hang querend, gleich wieder abwärts in die Oregone-Schlucht, bis wir schliesslich eine Forststrasse erreichten. Der weitere Wegverlauf war leicht, aber weit. Wir folgten dieser Fahrstrasse, kamen an der Malga Chivion vorbei und machten anschliessend einen Bogen zur Malga Antola, wo es auch eine Alpwirtschaft mit Übernachtungsmöglichkeit gibt. Da wir zeitlich unter Druck waren, verzichteten wir auf eine Pause und gingen weiter. 

Steilstufe unter dem Hochalpljoch

Abstieg am Hang des Weissensteinspitz
in die Oregone-Schlucht

Agroturismo Malga Antola

Die Naturstrasse folgt immer dem Hang und beschreibt zum Teil grosse Bögen in die kleinen Seitentäler. Regen und Sonnenschein wechselten sich auf unserer Wanderung ab. Bei der Malga Campobon, einem weiteren Agroturismo mit Übernachtungsmöglichkeit, erwarteten uns zwei Herdenschutzhunde. Entgegen ersten Befürchtungen waren sie friedlich, und wir schwatzten mit der Wirtin. 

Lange Wanderung auf dem Almenweg (Strada delle Malghe)

Blick zum Monte Rinaldo

Ausblick bei der Malga Campobon

Die steile ehemalige Militärstrasse zum Tilliacher Joch war von der Malga Campobon aus schon gut sichtbar. Im Aufstieg setzte wieder starker Regen ein, und kurz vor dem Joch machten wir in einer verfallenen Militärunterkunft eine Pause, nachdem nicht weit entfernt von uns ein Blitz aufleuchtete. Ein lautes Krachen, danach nichts mehr, doch wir waren beunruhigt. Bald gingen wir weiter, und das Joch war schnell erreicht. Wir stiegen eilig und auf direktem Weg zur Porzehütte ab.

Zuflucht vor dem Gewitter in der alten
Militärkaserne beim Tilliacher Joch

Gleichzeitig mit zwei anderen Gruppen erreichten wir die schöne, modern eingerichtete Unterkunft. Nach den Regenfällen war der Trockenraum der gut besetzten Hütte überfüllt mit nassen Kleidern. Wir bezogen unsere Schlafplätze im hübschen Sechserzimmer mit je zwei Betten in Nischen auf unterschiedlicher Höhe. Danach Katzenwäsche, da die Duschen wegen Wassermangels ausser Betrieb waren, und gemütliches Abendessen.

Tourendaten:
Strecke 27.3 km
Aufstieg 1341 Hm, Abstieg 1268 Hm
Zeit unterwegs 9 Std. 05 Min., davon in Bewegung 7 Std. 10 Min.

Hyperlinks:
Reiseführer Via Alpina: Schlechtwettervariante von R23

GPS-Track:

Samstag, 17. August 2024

Via Alpina: Wolayerseehütte - Hochweisssteinhaus

Der Seekopf in der Morgensonne


Um 6 Uhr 30 frühstückten wir im Speisesaal mit Seeblick in der schönen Wolayerseehütte. In der Nacht hatte neben uns im Lager eine schwer erkältete Wanderin gelegen, die sich ständig im Bett gewälzt hatte, deshalb waren wir am Morgen nicht wirklich erholt. Doch eine landschaftlich eindrückliche Wanderung und die Begegnung mit dem "Karnischen Ungetüm" erwartete uns am achten Tag unseres Via-Alpina-Projekts. Wir brachen bei klarem Himmel auf, doch für den Nachmittag war ein Gewitter vorhergesagt. Von der Hütte ging es zuerst auf einem Fahrsträsschen und über Abkürzungen hinunter zur Wolayer Alm, immer den prächtigen Felskessel des Sasso Nero und Wolayerkopfs vor Augen. 

Der Hüttenkater der Wolayersee-Hütte
beobachtet den Aufbruch der Gäste

Blick von der Oberen Wolayer Alm zum Sasso Nero

Blindschleiche auf dem Pfad

Danach stieg der Weg wieder an auf rund 1700 m ü.M. Wir begegneten dem ersten Ultra-Trailrunner, der am "Karnischen Ungetüm" teilnahm, einem 75 km Berglauf über den Karnischen Höhenweg von Sillian bis Mauthen, bei dem in maximal 20 Stunden 5200 Hm bewältigt werden müssen. Der Sieger 2024 schaffte die Strecke in sagenhaften 11 Stunden. Nach und nach, mit grossen Abständen, kreuzten wir seine Verfolger.

Beim Aufstieg im Lahner kreuzen wir einen
Ultra-Trailrunner des "Karnischen Ungetüms"

Beim Giramondopass

Beim Giramondopass auf 2005 m ü.M. überquerten wir die Grenze nach Italien. Nach einer kurzen Ebene kamen wir auf die grosse Traverse über den weiten Kieshang unterhalb des Kreuzen (Creta di Bordaglia). Nach einem Seelein (Lago Pera) ging es über längere Zeit nochmals abwärts durch Alpgebiet und Lärchenwälder ins Val Fleons. 

Schutthang unter der Creta di Bordaglia

Bei Casera Sissanis im Val Fleons

Aufstieg zum Öfner Joch, das Gewitter im Rücken

Vom Val Fleons führte der Weg schliesslich wieder steil hinauf zum Öfner Joch nach Österreich. Dort begegneten wir den letzten erschöpften Trailrunner, vier Stunden nach dem Schnellsten. Von Süden her nahten schnell dunkle Gewitterwolken, und schon bald grollte der Donner. Bald erreichten wir das Joch, von wo wir in 10 Minuten hinunter ins Hochweisssteinhaus gelangten. In der Hütte bezogen wir unsere Plätze in einem Viererzimmer und verbrachten einen gemütlichen Abend am Tisch mit netten Tischnachbarn. Nur der Wetterbericht für den Folgetag bereitete uns Sorgen, da eine hochalpine und schwierige Etappe auf dem Programm stand.

Abstieg vom Öfner Joch zum nahen
Hochweisssteinhaus

Viererzimmer

Gemütliche Hüttenstimmung im Hochweisssteinhaus


Tourendaten:
Strecke 15.9 km
Aufstieg 969 Hm, Abstieg 1071 Hm
Zeit unterwegs 6 Std. 15 Min., davon in Bewegung 5 Std.

Hyperlinks:
Reiseführer Via Alpina: R22


GPS-Track: